Alles was ich über Gerichtsverhandlungen weiß habe ich von Phoenix Wright gelernt. Zumindest was an das japanische Rechtssystem angelegte Adventure-Spiele angeht. Die Ace Attorney-Reihe vermischt klassisches Adventure (ausufernde Dialoge, stimmige bis überzeichnete Charaktere, Sammeln von Gegenständen/Beweisen) mit surrealem Gerichtsdrama.
Ich habe mittlerweile die in Deutschland erhältlichen Teile (vier an der Zahl) beendet und erwarte mit Spannung den nächsten Ableger, Ace Attorney Investigations welcher ein spin-off zur alten Serie darstellt, aber dazu später etwas mehr.
Hauptfigur der ersten drei Teile ist der junge aufstrebende Rechtsanwalt Phoenix Wright, der sich gleich in seinem ersten Fall (wie auch in eigentlich allen folgenden) mit einem Klienten konfrontiert sieht, der des Mordes angeklagt ist. Zu seinem Ensemble gesellen sich ein Medium, deren kleine Cousine, der Polizeiinspektor Dick Gumshoe (an diesem Namen merkt man schon den teils gewöhnungsbedürftigen Wortwitz der amerikansichen und auch europäischen Lokalisation, aber hey, ich mag es), der Geist seiner toten Mentorin (wie praktisch dass wir auch Medien im Team haben) und nach anfänglichem Gegnertum auch die Staatsanwälte des jeweiligen Teiles. Denn ein grosses Leitmotiv der Serie ist nicht die Frage nach der Schuld oder Unschuld der Angeklagten (es wird immer wie selbstverständlich davon ausgegangen dass Wrights Klient unschuldig ist) sondern die Frage nach der Wahrheit. Das zieht sich auch im vierten Teil der Serei, Apollo Justice, Ace Attorney, als roter Faden durch das Spiel.
Die ersten drei Teile sind eine DS-Portierung vom Gameboy Advance und nutzen die technischen Möglichkeiten des DS kaum aus, einzig im Bonus-Fall des ersten Teiles, welcher speziell für die Veröffentlichung auf dem DS geschrieben wurde, werden Touchscreen und Mikrofon genutzt, wie auch im vierten Teil, der direkt für den DS veröffentlicht wurde.
In den ersten drei Teilen hat man wenig Weiterentwicklung der Spiele, ausser der Möglichkeit, psychische Blockaden von Zeugen mit Hilfe eines magischen Anhängers zu lösen und den forensischen Ermittlungen des Bonus-Falles, wird dem typischen Frage/Anwort/Hinweis-such-Schema der einzelnen Fälle nichts weiter hinzugefügt. Klassisches Adventure-gameplay halt. Die Spiel-Logik ist im allgemeinen nicht all zu weit von der Realität entfernt, allerdings muss man sich während der Gerichtsverhandlungen manchmal fragen, warum man den zwingenden Beweis nicht bei dieser, sondern unbedingt und nur bei jener Aussage vorlegen kann, ohne eine Strafe zu erhalten. Ebenso kann es vorkommen dass man sich während des Versuches eine psychische Blockade zu lösen in das Gespräch verrennt ohne alle nötigen Beweise zu haben (ist mir jedenfalls ein paar mal passiert, aber ich kann halt auch stur sein...). Ein Tipp hierfür: erst wenn bei Bewegungen von Ort zu Ort keine Datumseinblendungen mehr vorkommen, hat man tatsächlich alle Hinweise, die man entweder für die Gerichtsverhandlung oder Gespräche mit Zeugen benötigt.
Der vierte Teil der Serie, Apollo Justice, bringt einen neuen Hauptcharakter zusammen mit einem neuen Ensemble und, wie oben schon erwähnt, neuen Ermittlungsmethoden. Die Fälle werden dadurch vielschichtiger, weil Hinweise jetzt auch auf andere Art und Weise ins Spiel gebracht werden können. Apollo Justice hat keinen magischen Anhänger der ihm hilft, psychische Blockaden zu entdecken und zu lösen, dafür hat er ein magisches Armband welches ihm erlaubt, die Lügen der Befragten zu entdecken und sie darauf festzunageln. Und im Gegensatz zur Phoenix Wright-Saga zieht sich hier gleich von Beginn ein ein roter Faden durch die Fälle, welcher einen Hintergrund andeutet, der offfensichtlich in den weiteren Apollo Justice-Teilen ausgebaut und aufgedeckt werden soll.
Im Februar erscheint dann mit Ace Attorney Investigations ein weiterer Ableger der Serie. Hier spielt Miles Edgeworth, Rivale und Freund von Phoenix Wright in den ersten drei Teilen, die hauptrolle. Ehemals erfolgreicher Staatsanwalt, der auch nicht vor dreckigen Tricks zurück schreckte um eine Verurteilung zu erreichen, ist er jetzt durch die Bekanntschaft mit und das Beispiel von Phoenix Wright ein Sucher nach Wahrheit. In Ace Attorney Investigations wird den Spieler wohl vorwiegend Ermittlungsarbeit erwarten, Gerichtsverhandlungen scheinen wohl für Edgeworth der Vergangenheit anzugehören. Im Gegensatz zu den Ace Attorney-Teilen wird AAI allerdings nicht mit deutscher Lokalisation erscheinen, sondern nur auf Englisch erhältlich sein. Mich persönlich stört das ja nicht, aber die Chancen des Spieles auf dem deutschen Markt dürften dadurch schon gesunken sein.
Ich persönlich kann Adventure-Fans die Ace Attorney-Reihe durchaus empfehlen, wenn auch nicht uneingeschränkt. Die Reihe ist halt sehr japansich und das liegt nunmal nicht jedem. Da das Adventure-Genre auf dem DS aber eh nicht so stark bevölkert ist und die Spiele ja trotzdem sehr gut sind sollten sie auf der Einkaufsliste interessierter Spiele stehen. Der Primus auf dem DS in diesem Genre ist und bleibt aber weiterhin Hotel Dusk.
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